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    Wenn Schnitzkunst auf Feinmechanik trifft

     

    Als die Menschen noch Zeit hatten

    Die Kuckucksuhr hat Geschichte. Eine spannende Geschichte, die so alt ist, dass sich ihre Anfänge nicht mehr genau datieren lassen.
    Sie beginnt irgendwo im Schwarzwald. Hier, wo die Menschen sehr geübt in der Gewinnung und Verarbeitung von Holz waren, kam einem von ihnen die Idee. Er hatte nicht nur Zeit, sondern auch das Bedürfnis nach einem guten Nebenverdienst, denn die Böden waren karg und die Winter lang. Irgendwann zu Beginn des 17. Jahrhunderts griff er zum Schnitzmesser, und bald hatte er die erste Uhr mit Holzkorpus und hölzernem Uhrwerk geschaffen: Die Schwarzwalduhr war geboren. Eine Sensation, denn bisher waren Uhren ein teures Privileg der Reichen und Mächtigen gewesen.
    Die Schwarzwalduhren kamen schnell zu Berühmtheit. Sie waren schön und robust, der Verzicht auf teures Metall machte sie für viele erschwinglich. Einen Kuckucksruf hatten sie freilich noch nicht, doch der ließ nicht lange auf sich warten. Schon 1629 wird von einer Kuckucksuhr am Hofe des Kurfürsten August von Sachsen berichtet, auch ihr Erfinder ist unbekannt. Aber die Idee ging um die Welt.

    Frühe Exportschlager

    Der Pionier der Schwarzwalduhren konnte sich nicht lange auf seinen Lorbeeren ausruhen, auf immer mehr Höfen in der Region widmete man sich ihrer Herstellung. Und die Stückzahlen wuchsen schnell. Andere Schwarzwälder Familien blieben bei dem klassischen Handwerk der Glasmacherei, das damals zwischen Pforzheim und Lörrach weit verbreitet war. Ihre Produkte wurden von sogenannten Glasträgern vertrieben, die bis in die Schweiz und nach Frankreich wanderten. Sie hatten bald auch Schwarzwalduhren auf dem Buckel und damit so viel Erfolg, dass sie bis nach Russland und in das Osmanische Reich zogen.

    Kuckucksuhren heute

    Echte Kunstwerke.

    Noch immer kommt jede ordentliche Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald. Das gilt nicht nur für die Schnitzereien, sondern auch für das mechanische Werk. Seine Kraft schöpft es - weltweit einzigartig - aus der Erdanziehung: Sie wirkt auf die schweren Zapfen, die das präzise Uhrwerk (mittlerweile aus Metall) antreiben. Je nach Modell müssen sie täglich oder einmal pro Woche von Hand wieder hochgezogen werden, damit die Uhr weiterlaufen kann. Diese Kettenzugwerke haben den großen Vorteil, dass ein schädliches Überziehen wie bei einer mechanischen Armbanduhr nicht möglich ist.
    Als günstigere Alternative gibt es auch Schwarzwalduhren mit Quarzwerk, die in ihrer äußeren Erscheinung den mechanischen Exemplaren ebenbürtig sind, wenn sie nicht im Fernen Osten, sondern im Schwarzwald gefertigt wurden.

    Landhaus oder Natur? Eine Frage des Stils.

    Die klassische Kuckucksuhr besticht durch ihre oft aufwendigen Schnitzereien. Geweihe oder ganze Hirschköpfe, Eichen- und andere Blätter, Gewehre und die Tiere des Waldes - eine solche Kuckucksuhr ist ein wahres Naturschauspiel. Dabei liegt der Ursprung ihrer Formgebung nicht im Wald, sondern an der Schiene: Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die recht schmucklosen sogenannten Bahnwärter- oder Bahnhäusle-Uhren, die schon bald durch reiche Verzierungen dem heutigen Erscheinungsbild entsprachen.
    Die andere heute weit verbreitete Designrichtung ist der sogenannte Chalet-Stil. Ihre Grundlage ist häufig ein typisches Schwarzwaldhaus, dem durch teilweise bewegliche Figuren und Gebäudeelemente geradezu Leben eingehaucht wird.
    Andere Stilrichtungen wie die im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreiteten Kuckucksuhren mit bemaltem und lackiertem Holzschild ("Lackschilduhren") sind insbesondere bei Sammlern begehrt.

    Täuschend echt: Der Kuckucksruf.

    Man muss schon ein Meister seines Faches sein, um zwei kleine Blasebälge so zu konstruieren, dass sie in feinem Zusammenspiel den unverwechselbaren Ruf des Kuckucks erzeugen - rein mechanisch und immer pünktlich zur vollen Stunde. Die Mechanik sorgt auch dafür, dass der Vogel bei jedem Ruf den Schnabel öffnet, es gibt sogar Modelle, bei denen er dazu mit den Flügeln schlägt. Um zu wissen, was die Stunde geschlagen hat, muss man nicht auf das Zifferblatt schauen, denn der Kuckuck verkündet die Uhrzeit durch die Zahl seiner Rufe. Hören Sie einmal genau hin: Fast immer wird der klassische Kuckucksruf von einem durch die gleiche Mechanik erzeugten feinen Gong unterstützt.

    Altes Liedgut

    Manche Kuckucksuhren verfügen über einen zusätzlichen Schatz: ein hochwertiges Spielwerk, meist mit 18 - 36 Zungen. Man erkennt diese Uhren am dritten Zapfen, dessen Gewicht das Spielwerk antreibt. Alte Volkslieder ertönen zur vollen Stunde (bei 8-Tage-Werken) oder jede halbe Stunde (bei 1-Tag-Werken). Fast immer wissen die Uhren ihr Spielwerk für zwei verschiedene Melodien zu nutzen, die abwechselnd erklingen.
    Bei Quarzmodellen werden sowohl der Kuckucksruf als auch die bis zu zwölf unterschiedlichen Lieder elektronisch erzeugt.

    Darf ich bitten?

    Wenn Musik erklingt, ist es Zeit für ein Tänzchen. Manche Schwarzwalduhr hat deshalb nicht nur einen Kuckuck zu bieten, sondern - meist direkt darunter - auch eine Reihe liebevoll gefertigter Tanzfiguren, die sich im Kreise drehen. Bei Kuckucksuhren, die etwas auf sich halten, sind diese Figuren selbstverständlich von Hand geschnitzt und bemalt.

    Jeden Tag Theater.

    Das Leben hat mehr als nur Tänze zu bieten, Kuckucksuhren auch: Da wird das Bierglas zum Munde geführt oder Holz gehackt, da dreht sich das Mühlrad oder es wird gar ein Nudelholz von der Schwarzwälder Bäuerin geschwungen - die sorgsam gearbeiteten Holzfiguren und -elemente führen regelrecht kleine Theaterstücke auf. Immer wieder sehenswert, jede Stunde ist Vorstellung, und der Eintritt ist frei!

    Manchmal braucht man seine Ruhe.

    So schön der weithin vernehmliche Ruf des Kuckucks auch ist, nachts um drei Uhr empfindet man ihn häufig als eher störend. Deshalb verfügt fast jede Schwarzwalduhr über einen beruhigenden kleinen Hebel, mit dessen Hilfe der Kuckuck in seinem Häuschen eingesperrt wird: die Schlagabschaltung. Auch Spielwerke werden damit ruhiggestellt. Besonders praktisch ist bei einigen Exemplaren die automatische Schlagabschaltung, die während der vorher festgelegten Nachtstunden für ungestörten Schlaf sorgt.

    Aus gutem Holz geschnitzt.

    Noch immer ist der Schwarzwald berühmt für seine Holzwirtschaft, und davon profitieren auch seine Kuckucksuhren. Aus bestem, gut abgelagertem Linden- oder Ahornholz entstehen hier Meisterstücke, die bei guter Behandlung auch noch nach vielen Jahrzehnten nichts von ihrer Schönheit und Solidität eingebüßt haben werden.

    Alles hat seinen Preis.

    Schon für relativ wenig Geld kann man stolzer Besitzer einer echten Schwarzwalduhr werden, aber es ist wie beim Autokauf: Wer gibt sich schon mit dem Grundmodell zufrieden? Die Liste der Möglichkeiten, sein ganz persönliches Lieblingsstück zu finden, ist bei einer Kuckucksuhr fast so lang wie bei einem Neuwagen.
    Es beginnt schon bei der Größe. Mehr Format heißt mehr Schnitzarbeit, das erhöht den Preis. Ein 8-Tage-Werk ist natürlich komplizierter und damit teurer als ein 1-Tage-Werk, deutlich preiswerter ist hingegen ein Quarzwerk. Ist ein Spielwerk dabei, gibt es Tanzfiguren oder andere bewegliche Teile? Alles erhöht die Freude an der Schwarzwalduhr und auch die Kosten. Wenn sämtliche Teile - auch das Zifferblatt und die Zeiger - aus echtem Holz gearbeitet sind, spürt man das auch beim Griff in den Geldbeutel.
    Wer möchte, kann seinem Kuckuck sogar eine zarte Begleiterin geben: die sogenannte Wachtel. Sie hat ihr eigenes Türchen und lässt ihre Stimme im Viertel- oder Halbstundentakt erklingen.

    Eine gepflegte Erscheinung.

    Eigentlich sind Schwarzwalduhren pflegeleicht, dennoch sollte man einige Regeln beachten. Staub wird mit einem nebelfeuchten Tuch entfernt, keinesfalls darf die Uhr nass werden. Rohe Kräfte beim Aufziehen sollte man ebenso vermeiden wie Abstürze. Wenn der Uhr nun noch ein angenehmes Raumklima (kein Frost, nicht zu feuchte Luft) geboten wird, hat man seine Schuldigkeit schon getan.
    Etwa alle vier Jahre gehört die Uhr in die Hände eines erfahrenen Uhrmachers. Er wird sie vorsichtig reinigen und ölen, sie wird diese Behandlung mit einer langen Lebensdauer über viele Jahrzehnte danken.

    Wissenswertes zum Schluss.

    Es lohnt sich, die frisch erworbene Schwarzwalduhr nicht gleich auszupacken, sondern erst die beigefügte Montage- bzw. Bedienungsanleitung zu lesen. Die Ketten der neuen Uhr befinden sich in einem kleinen Beutel, den man einfach entfernt - aber wussten Sie, dass die Uhr danach nicht mehr auf den Kopf gestellt werden darf? Wer das dennoch tut, hat schnell ein Problem, denn die Ketten können im Innern der Uhr von den Zahnrädern springen.
    Bei der Wandmontage sollten Sie auf eine stabile Befestigung achten, das Schmuckstück hat schließlich Gewicht. Und die schweren Zapfen brauchen Platz auf ihrem Weg nach unten, also montieren Sie die Uhr bitte nicht zu tief.
    Und wenn tatsächlich mal etwas repariert werden muss? Gut, wenn Sie den Originalkarton aufbewahrt haben, er ist bestens für den Versand der Uhr geeignet. Wichtig ist wiederum die Sicherung und Fixierung der Ketten, um das Abspringen von den Zahnrädern zu verhindern. Nun noch das Pendel separat verpacken, die Uhr mit Zeitungspapier (kein Styropor) auspolstern, und ab die Post zum Hersteller. Wer Porto sparen möchte, lässt die schweren Zapfen einfach zu Hause und schreibt ihr Gewicht auf einen Zettel.
    Schon bald werden Sie sich wieder über den vertrauten Kuckucksruf in Ihrem Heim freuen können.