Kuckucksuhren Produktion

    Mit Hand und Herz

     

    Kann man eine Legende bauen?

    Man kann. Wenn man es von der Pike auf gelernt hat, im Schwarzwald wohnt und über die hier verbreiteten Eigenschaften verfügt – Gewissenhaftigkeit, Liebe zur Perfektion und handwerkliches Geschick – dann kann man sie bauen, die Kuckucksuhr.

    Vor der Meisterschaft stehen aber erst einmal die Lehrjahre, denn bei der Fertigung einer Kuckucksuhr ist kaum etwas wichtiger als Erfahrung. Bis heute gehört viel Handarbeit zu ihrer Entstehung, mit der Massenproduktion von billigen Imitaten hat man im Schwarzwald nichts am (Trachten-)Hut.

    Billig sind Schwarzwalduhren also nicht, wohl aber preiswert. Sie werden nach Qualitätsstandards gefertigt, die man heute nur noch selten findet. Jede echte Schwarzwalduhr verkörpert eine Haltung, die nicht den Gewinn des Herstellers in den Vordergrund rückt, sondern die Zufriedenheit des Kunden und seine lange Freude am erworbenen Produkt. Eine Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald ist immer ihr Geld wert, das spürt der Besitzer jeden Tag. Und oft auch noch seine Erben.


    Familiensache? Ehrensache.

    Bei der Herstellung einer Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald kommen nach wie vor Techniken zum Einsatz, von denen sich manche seit Jahrhunderten kaum verändert haben. Oft wird ein bestimmtes handwerkliches Können seit Generationen vom Vater an den Sohn weitergegeben – mittlerweile auch gerne an die Tochter. So gibt es Familien, deren Mitglieder seit mehr als hundert Jahren bei ein und demselben Unternehmen arbeiten, sie gehören praktisch zur Unternehmerfamilie.

     

    Technik und Tradition.

    Eine Kuckucksuhr läuft nicht vom Band, zumindest nicht im Schwarzwald. Ihre Entstehung beginnt in der Schreinerei, eigentlich schon im Holzlager. Ein geübtes Auge ist nötig, um dem hier schon viele Jahre liegenden Lindenholz anzusehen, wann es würdig ist, zu einer Kuckucksuhr zu werden. Gut abgelagert und getrocknet muss es sein, damit es sich später nicht wirft. Hat es Risse oder größere Unregelmäßigkeiten, wird es gnadenlos aussortiert. Gelegentlich wird auch Ahornholz verwendet, es ist fast so perfekt in Struktur und Dichte wie die Linde.

    Das ausgesuchte Holz wird in Stücke geschnitten, die den Maßen der späteren Kuckucksuhr schon annähernd entsprechen. Dann fliegen die Späne: Von Hand geführt arbeiten spezielle Sägen die ersten Facetten des künftigen Kunstwerks heraus. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Vorderseite der Kuckucksuhr gerichtet, das ist schließlich ihre Schokoladenseite.

    Beim nächsten Arbeitsschritt haben Maschinen gar nichts mehr zu suchen: Messerscharfes Werkzeug kommt in der Schnitzerei zum Einsatz. Wenn Sie einmal die Gelegenheit haben, einem Schnitzer im Schwarzwald über die Schulter zu schauen, tun Sie es! Es ist beeindruckend, mitzuerleben, wie schnell und präzise aus einem eben noch fast rohen Stück Holz ein Hirsch, ein Eichenblatt oder auch ein Biertrinker wird.

    Wer sich später die fertige Kuckucksuhr genau anschaut, kann die Spuren der von kundiger Hand geführten Schnitzwerkzeuge unschwer erkennen. Auch die Holzschindeln, die einmal das Dach der Uhr schmücken sollen, werden noch von Hand einzeln hergestellt, dann geht es ins Bad.

    Im Beizbad erhalten alle Teile ihre Farbe. Sie dringt tief in das Holz hinein und stellt sicher, dass der gewünschte Farbton auch noch nach dem tausendsten Staubwischen makellos erstrahlt.

    Nun liegen alle Teile des künftigen Gehäuses bereit. Mit Leim nach altem Rezept und festen Klammern werden sie zusammengefügt, Gehäuseteile bilden eine Form, Figuren kommen an ihren Platz, schmückende Schnitzereien werden montiert und Dachschindeln einzeln gelegt.

    Fertig? Noch lange nicht.


    Innere Werte.

    Was jetzt noch fehlt, ist natürlich eigentlich das Wichtigste: Das Werk und die Mechanik. Die allerersten Schwarzwalduhren hatten noch 12-Stunden-Werke aus Holz, diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute besteht das mechanische Werk einer Kuckucksuhr überwiegend aus Messing. Eine Ausnahme bilden die Quarzwerke, die auch im Schwarzwald für besonders preiswerte Modelle zum Einsatz kommen. Einsatz im wahrsten Sinne des Wortes: Sie werden eingesetzt, mit Zeigern versehen, und fertig ist die Kuckucksuhr. Doch die meisten Schwarzwalduhren beherbergen ein mechanisches Werk, für das wiederum viele Arbeitsschritte nötig sind. Je nach Uhrenhersteller werden zu diesem Thema unterschiedliche Philosophien verfolgt. Manche lassen das komplette Werk von deutschen Spezialbetrieben anfertigen, andere lassen sich die einzelnen Komponenten liefern und setzen sie im eigenen Betrieb zusammen, wieder andere pflegen die hohe Kunst der Uhrwerk-Fertigung komplett im eigenen Unternehmen. In jedem Fall liegt irgendwann ein Uhrwerk bereit, das über viele Jahre zuverlässig seinen Dienst versieht. Der Besitzer muss es nicht einmal ölen, allerdings sollte er die Uhr etwa alle vier Jahre in die Hände eines erfahrenen Uhrmachers geben, der sie reinigen und auch ölen wird.

     

    Endlich macht der Kuckuck Kuckuck.

    Das Werk allein kann eine Kuckucksuhr noch nicht vollständig zum Leben erwecken, es bedarf noch der Tätigkeit eines feinsinnigen Uhrmachers, um die oft vielfältigen Funktionen zu beseelen. Er verbindet das Werk mit anderen beweglichen Teilen der Uhr. Dazu gehören nicht nur die Zeiger und die an Ketten hängenden, schweren Gewichte, sondern häufig auch Tanzpaare oder andere Figuren, die Szenen aus dem Schwarzwaldleben nachspielen: Holzfäller, Biertrinker, Wasserräder, sogar Schwiegermütter samt Nudelholz wurden schon gesichtet.

    Und der Kuckuck? Er ist häufig auch von Hand geschnitzt (bei einfachen Modellen jedoch manchmal aus Kunststoff) und kann fast immer den Schnabel öffnen oder sogar mit den Flügeln schlagen. All diese Fertigkeiten haben ihm erst der Schnitzer, dann der Uhrmacher eingehaucht. Doch wie entsteht der unverwechselbare Kuckucksruf?

    Die Lösung ist scheinbar einfach. Ein kleiner Blasebalg wird parallel zum sich bewegenden Kuckuck aktiviert und produziert den hohen Anfangston („Ku…“), direkt anschließend vollendet ein zweiter Blasebalg den Vogelruf („…ckuck“). Beides zusammen wird untermalt und verstärkt vom Klang eines kleinen Glöckchens.

    Einfach? Versuchen Sie einmal, so etwas nachzubauen …

    Ganz ähnlich funktioniert auch die sogenannte Wachtel, eine kleine Begleiterin des Kuckucks, die in besonders hochwertigen Kuckucksuhren verbaut wird. Sie hat ihr eigenes Häuschen (meist direkt unterhalb der Behausung ihres großen Bruders) und ruft nicht nur zur vollen Stunde, sondern halb- oder sogar viertelstündlich.

    Gerade in der Nacht wird man es schätzen, dass man dem Kuckuck (und seiner kleinen Kollegin) sozusagen den Schnabel stopfen kann: Der Konstrukteur einer guten Kuckucksuhr hat bestimmt daran gedacht, sie mit einer Schlagabschaltung zu versehen.

     

    Qualität mit Brief und Siegel.

    Jetzt ist die Kuckucksuhr fertig und kann irgendwo auf der Welt in einer guten Stube zum Einsatz kommen. Vor der Auslieferung steht aber noch eine sorgfältige Endkontrolle. Erst wenn die bestanden ist, erhält sie ihre Papiere, die dem künftigen Besitzer garantieren, dass der Hersteller zu seinem Versprechen steht: Eine Kuckucksuhr gebaut zu haben, die viele Jahre lang zuverlässig ihren Dienst versehen und Menschen Freude machen wird